Bilder im Dorfener Rathaus

Bild Im zweiten Stock des Rathauses, im Sitzungssaal, sind sechs große, kostbare Barockgemälde aus der Werkstatt des Hofmalers Kaspar Sing zu besichtigen, die wohlhabende Bürger um 1700 dem Markt stifteten. Die Themen der Bilder mit überwiegend religiösen Motiven sind: "Larus und der reiche Prasser", "Maria und Martha", "Die Hochzeit zu Kana", "Christis vor dem Hohen Rat", "Die letzten Dinge" und "Salomons Urteil".

 

 

"Wir kennen keine Gemeinde Altbayerns, die einen so umfangreichen malerischen Schmuck ... ihres Rathauses aus alter Zeit besitzt" schreibt Dr. Georg Hager, Generalkonservator der Kunstdenkmale und Altertümer Bayerns, an die damalige Markgemeinde Dorfen. "Die Gemeinde darf also stolz auf diesen Kunstbesitz sein" (zitiert nach R. Kirmeyer).

Dabei wissen nicht einmal alle Dorfener Bürger, vielleicht nicht einmal alle Alteingessenen, welche Kunstschätze ihr Rathaus birgt: sechs Bilder eines Malers der Barockzeit, vorzüglich erhaltene Gemälde, beachtenswert nach ihrer künstlerischen Gestaltung, bewegend nach ihrer Aussagekraft. Bewegend wohl vor allem deshalb, weil sie - bei aller zeitbedingten Thematik, bei allem barocken Überschwang - menschliches Leid und irdische Freude zeitlos, unter dem Blickpunkt der Ewigkeit, darstellen. Der religiöse Rahmen eines jeden Themas, der die Aussage des Bildes zur allgemeingültigen machten, täuscht nicht darüber hinweg, dass der Mensch letzlich im Vordergrund steht. Dies geht so weit, dass Christus vor dem Hohen Rat der Angeklagte schlechthin, der Verfolgte aller Länder und Zeiten ist.

Die Bilder zu beschreiben, möge Aufgabe eines G´studierten sein, sie erfassen und verstehen kann jeder, freilich nicht auf den ersten und zweiten Blick. Damit die Betrachter die "Moral" eines jeden Bildes verstehe, hat der Maler in bäuerlichem Latein und in barockem Deutsch die Aussage knapp textiert.

"Salomons Urteil"

Consul, sex primi, te ornarunt, Curia felix, cur non et reliqui me duce recolant.

- Der Kammerer und sechs Ratsherrn ließen Dich schmücken, glückliches Rathaus; warum sollen nicht auch die übrigen Dich, unter meiner Anleitung ehren. -

"Der Neid das Recht hätt´längst verkehrt,
wenn Salomon nicht schwäng das Schwert.
Selig der Ort gepriesen wird,
wo Gerechtigkeit das Szepter führt."